Same procedure as every …

Montag, 25.August 2003

Wieder klingelt der Wecker um 06.30 Uhr, wieder nehmen wir das erste Wassertaxi des Tages und wieder sind wir begeistert vom Nationalpark Krka. Aber irgendwie sind heute alle etwas lätschert. Zumindest Andreas darf man es zugestehen. Immerhin hat er in der Früh gegen 03.30 Uhr einem besoffenen Segelheini, der beim Überqueren der Planke knapp daneben zielte und ins Hafenbecken stürzte, das Leben gerettet. Auch das Wetter ist heute nicht echt. Mächtige Gewitterwolken türmen sich immer wieder auf und die Entscheidung, den sicheren Hafen zu verlassen, wird halbstündlich verschoben. Solange, bis wir es vorziehen, noch eine Nacht in dieser quirligen Marina zu verbringen. Wenn wir nicht gerade über ein- und auslaufende Yachten beziehungsweise deren Crews lästern, vertreiben wir uns die Zeit mannigfaltig: Katrin, Astrid, Hendrik und Andreas fahren mit dem Dingi Richtung Naturschutzgebiet und baden im traumhaft warmen Krka, Hendrik nimmt zwar Reißaus vor einer Wasserschlange (10m lang und mit 3 Köpfen), dafür beweist er aber wahren Heldenmut beim Sprung aus schwindelerregender Höhe von der Autobrücke, die sich über den Fluß spannt. Der Skipper kocht, 8 Liter Tomatensoße für 400gr Nudeln, Grönemeyer und Esel zum Nachtisch, Herz, was willst du mehr!

Ganz schön schräg

Sonntag, 24.August 2003

Ach, wie wir es vermissen! Das ewige Titschen, das rollende Rrrrrrrr, den frischen Obstsalat, den gut eingeschenkten Sundowner. Natürlich geben wir uns große Mühe, die liebgewonnenen Bräuche aufrechtzuerhalten, aber ohne die eigentlichen Urheber dieser Sitten fällt es gar nicht so leicht. Dafür haben sie uns Wind, täglich mehr und andauernd von vorn, zurückgelassen. Eigentlich ja gar nicht schlecht. So kreuzen wir sportlich gen Norden, die aufziehenden Gewitter und das Barometer wohl im Auge behaltend. Unterschiedlichste “AK”-Methoden werden ausprobiert und bislang allesamt für tauglich befunden. Viola testet ihre jüngst erworbenen Fähigkeiten (nachträglich nochmals herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Segelschein), Horst hält tapfer durch in seinem Vorsatz, das Rauchen aufzugeben, Hendrik bewährt sich im Den-Abwasch-machen-auf-See, Michael rückt nochmals den undichten Luken – inzwischen sind es schon zwei – zu Leibe, Astrid entdeckt die Wunderwirkung des Schönheitsschlafes. Der heutige Segeltag hat den kleinen Makel der fast-Kollision mit einer Fähre (Was hat die auch da direkt auf unserer Kurslinie zu suchen?), zeugt dagegen aber von einem erste-Sahne-Anlegemanöver im Hafen von Skradin. Da können sich gewisse Gesellen aus Österreich wirklich noch eine dicke Scheibe abschneiden. Den absoluten Höhepunkt bildet das Abendessen in der Konoba Toni am Ortsende von Skradin.

Mittelmeer-Quirl

Freitag, 22.August 2003

Wilde Umlegeaktion, und das auf nüchternen Magen. Dank eines morgendlichen Ostwindes wurden wir bedrohlich nah auf unseren Nachbarn gedrückt. Dies erforderte ein rasches Handeln von Michael, Werner, Guenter und Hendrik. Lösen der Landleine, eine Runde unter Motor durch die Bucht, dann wieder vor Anker gehen, um das Frühstück gemütlich einzunehmen. Hendrik fährt den Müll an Land und macht auf der Rückfahrt aus dem Dingi einen Mittelmeerquirl. Mit einer unglaublichen Ausdauer werden die menschlichen “Essensreste” per 2 PS in fischgerechte Häppchen verkleinert. Hendrik hatte auf jeden Fall seinen Spaß an dieser Aktion. Um 10:30 Uhr geht es los in Richtung Vinisce. Wenn auch nicht gerade irrsinnig viel Wind, dafür aber wenigstens aus der “richtigen Richtung” – mit einem Blister kommt man eben immer noch ansehnlich voran. Das Abschiedsessen für unsere vier Heimkehrer aus dem Pott – wir gehen selbstverständlich aus – ist angemessen üppig (Meeresfrüchte, Fisch, Fleisch), das Ambiente stilvoll, aber gemütlich, die Preise ansehnlich, der Wein reichlich. Einige schwimmen im Mondschein, einige torkeln, einige fahren mit dem Dingi (unter Ullas ersten Dingi-Steuerversuchen) zurück zum Schiff und nach einem wehmutsvollen Absacker werden wieder die kroatischen Wälder abgeholzt. Horstens und Guenters Oberluken müssen dieses Mal aus überlebenstechnischen Gründen mit großen Kissen verstopft werden.

Peljesac – Kroatischer Rotwein, der mit dem Esel

Donnerstag, 21.August 2003

Nach einer sternenklaren Nacht wachen die ersten “An Deck Schläfer” gegen 7:30 Uhr auf. Die Sonne sticht schon um diese Uhrzeit, so dass erst Andreas und dann recht schnell auch die anderen einen Sprung ins kühle Nass wagen. Nach einem ausgiebigen Frühstück und dem anschließenden üblichen “klar Schiff” machen – was bei 13 Leuten an Bord in einer kleine Spülorgie ausartet – stechen wir um 10:30 Uhr in See. 12:20 – Viola macht Nudelsalat – die ersten Hopfenkaltschalen werden getrunken – die Segel sind gesetzt, doch dank Schwachwind machen wir nur langsame Fahrt auf unser erstes Ziel SV. Klement. Dank der berauschenden Geschwindigkeit machen Hendrik, Michael und Andreas Schwimmübungen hinter dem Schiff. Hendrik schwimmt mit dem Boot um die Wette. 16:30 – kurzes Ankern in der Bucht Soline (mit kleinen Hindernissen: Rutschkupplung zu früh, Boje nicht erwischt, dann doch zu nahe am nächsten Boot) – Baderunde für alle – Müllentsorgung an Land. Wir entschließen uns, auf Hvar in der Bucht Vela Garska zu übernachten und fahren unter Motor eine Ehrenrunde durch den Hafen von Hvar. Riesenyachten, Menschenmassen – eine langsame Runde für die Fotosession – dann geht es in unsere Bucht. Diese ist recht gut besucht und wir liegen mit den anderen Booten unter Anker und per Landleine. Viola nutzt die Zeit des Ankerns, um schon das Abendessen vorzubereiten. Nudeln mit Champignon-Speck-Eselsmilch-Soße. Insgesamt 5 Flaschen Eselsmilch später gehen alle in Ihre Schlafsäcke bzw. Kojen.

Bunkern ist angesagt

Mittwoch, 20.August 2003

Heisssssssssss ist es im Hafen von Split, aber bevor wir auslaufen koennen, muessen unsere Vorraete aufgefuellt werden. Unser Technikgenie Fritz geht heute ganz traurig von Bord, wir sind es auch. Zumal ein geiler Wind weht, 8 kn bei 2. Reff. Mit gut Schraeglage durch die Straße zwischen Brac und Solta, hupende Tanker und Faehren bahnen sich ihren Weg durch ein Heer von Segelyachten. Stracinska auf Solta ist unser Ziel, Viola drischt Höhe. Wir ankern auf Tuchfühlung mit dem felsigen Ufer, das Farbenspiel des Wassers von azurblau bis türkisgrün, Schnorcheln ist angesagt. Das 3-Gänge-Menue der Chefköche Werner und Viola lädt zum Schlemmen ein, die Eselsmilch zum Dessert ist mittlerweile unverzichtbar geworden. Begegnung mit “the owner of the house” … After-Show-Party mit bei Dunkelheit Anker-ausbringen-wollender Yacht. Das Deck wird zum Zeltlager.

Wolle mer se reulasse

Dienstag, 19.August 2003

Katrin, Hendrik, Viola, Claus und Andreas nahen, schnell noch Penelope auf Hochglanz gebracht, die Kojen aufgeraeumt, Bier kalt gestellt. Zunaechst aber fruehstuecken wir fuerstlich nach rituellem Morgenbad (Penelope wurde zwischenzeitlich in “Nudi” umgetauft) auswaerts, in der Konoba “Pipo”. Die Gastfreundschaft ist beschaemend, wir duerfen sogar den halben Gemuesegarten pluendern. Heute schon wieder zu wenig Wind? Zu frueh geklagt! Der Himmel zieht zu, Regenboen wuehlen die See auf, die Gischt spritzt, Wassereinbruch in der Messe durch die undichte Luke (Horst und Edeltraud erfinden ein patenreifes Droebbelwasser-Auffanggeraet) – und keinem ist schlecht geworden! Fuer die Uebernachtung im Hafen von Split erfordert die Vermehrung der Crew eine logistische Meisterleistung: Wer wo mit wem! Aber letztendlich schnarchen alle wieder irgendwo rum, Astrid balanciert auf dem Tisch in der Messe.

Die Tanks sind leer

Montag, 18.August 2003

Heute stellen wir uns alle etwas tapsig an: Astrid raeumt mit einer gezielten Kick-Box-Aktion den gerade gedeckten Fruehstueckstisch wieder ab, Guenter schuettet eine Tasse Kaffee hinterher, Fritz testet die Stabilitaet seines Dickschaedels … Des weiteren: Skipper ruft zur Lagebesprechung, wie der weitere Toernverlauf aussehen koennte; allgemeiner Waschtag (u.a. ziehen wir eine rotweinbefleckte Hose achteraus durch die Adria, ob’s wirkt?); haben wir eigentlich schon jemals ueber unsere Bordfeen Edeltraud und Ulla berichtet (diese besondere Spezies von Mitsegler ist mit Gold nicht aufzuwiegen, ohne viel Aufhebens zaubert sie alles herbei, was solch einen Toern ausmacht), Fritz legt sauber in Bol an – wir bunkern Diesel, Wasser und fuer jeden ein Schlotzeeis; die Hitze setzt uns heute maechtig zu – Zwischenstop auf “hoher See” zum Abkuehlen; diverse Telefonate zwecks anstehendem Crewzuwachs; und wieder eine 5-Sterne-Bucht – Luka

Müsigang

Sonntag, 17.August 2003

Wie schnell man sich doch ans suesse Nichtstun gewoehnen kann – baden, sonnen, lesen, sinnieren, philosophieren, schlemmen. Die Logenplaetze an Deck sind meist bis in den Nachmittag voll ausgebucht. Mangels Wind und zwecks Kuehlschrankaktivierung tuckern wir eine Strecke unter Motor. Hey, was schwimmt denn da an backbord? Eine Wasserschildkroete, und was fŸr ein Teil! Hey, und was schwimmt da, voraus? Ein Schule Delphine, wie possierlich! Wir drehen zwei Runden im Hafenbecken von Hvar, sehr beschaulich, aber hier geht voll der Baer ab. Wir verziehen uns in die Inselwelt von Sv Klement und froenen dem “Buchting”, einer ausgesprochen reizvollen Version des Sightseeings. Das Restorante “Paradiso” in Vlaka, von der Bucht Soline aus eroberbar, entspricht voll unseren Erwartungen einer Konoba. Nach abenteuerlichem RŸcktransport der gut aufgelegten Mannschaft durch die sternenklare aber stockfinstere Nacht legen wir uns zum allnaechtlichen Schnarchgesang darnieder – und immer mehr Romantiker schlafen an Deck.

Unser bislang schwerster Tag

Samstag, 16.August 2003

Es heisst Abschiednehmen, mit dem Dingi bringen wir unsere drei Heimkehrer an Land (nach geduldigem mehrstuendigem Herumtelefonieren gelingt es Franz, noch einen Standby-Flug nach Ffm zu ergattern)- und es heisst Willkommen Horst! Nach einem heftigen Winken gen Himmel, als die Maschine Ÿber uns hinwegduest, formiert sich die neue Crew. Zuvor noch kurz den Supermarkt von Trogir leergekauft (Ulla und Edeltraud besorgen die tollsten Leckereien, Werner und Guenter schleppen), Kojenwechsel, Putzgeschwader. Horst ersegelt sich einen bomben Einstand, 8,5 kn – ein toller Ritt ueber die Wellen! Sonnenuntergangs-Cocktail, Bucht von Bobovisce: “Sozialer Wohnbau”-Kulisse in unzerstoerter Natur, Grillenkonzert

Abschluss der ersten Woche

Freitag, 15.August 2003

Nachdem wir die Annehmlichkeiten der Zivilisation (Marina Frapa/Rogoznica) gebuehrend genutzt haben, zieht es uns wieder raus aufs Meer. Und hoffentlich koennen wir heute abend wieder in einer Bucht ankern, das ist immer noch das idyllischste. Ereignisse dieses Tages: Hannelore und Franz fahren mit dem Dingi einkaufen, Reparaturservice Siggi leistet kompetente Dienste am Abfluss der Kuechenspuele, Fritz flutet zum Zwecke der Decksreiningung gleichmal die Messe mit, kein Wind – nur aus dem Auspuff, Motorboot-Autobahn die ganze Kueste entlang – Rodeo ist nichts dagegen, ueppiges Fruehstuecksbuffet waehrend der Fahrt – wilde “rettet das Buffet”-Manoever vgl. Rodeo, Fischernetz auf Kollissionskurs – Treffer sprich AufhÅ ngung, Mann Ÿber Bord – Fritz vergibt nach aufwendiger, letztendlich erfolgreicher Rettung die Note 4-5, saphirblaues Wasser in der Bucht von Krknjas, ca. 400 Italiener auf 5 Booten mit einer Lautstaerke fuer 4.000 Italiener, Paella von Werner und Ulla als Abschiedsessen fuer Franz, Siggi und Hannelore, der Genuss vertreibt die Wehmut – fast!

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