Wie weit sind 34 sm in der Kreuz?

Montag, 19.Juli 2004

In der zweiten Nacht schlafen wenigstens alle schlecht. Gründe sind der dauerhaft summende Generator der Megayacht, neben der wir zum Liegen gekommen sind, und der immense Schwell an unserer Pier, der nicht nur die bereits etwas zur Neige gehenden Biervorräte lautstark hin und her kullern lässt. Nichts wie weg, schon um 09.20 Uhr legen wir ab, Richtung Alicudi. Zitate des Tages: „Ist der Landstrom schon diskonnektiert ?“, „Rotwein um halb drei, die italienischen Momente im Leben“, „Das Fernglas mit dem eingebauten Nordpol“. Der geschätzte Leser mag raten, von wem wohl welches Zitat stammt. Gesellschaftsspiele des Tages: „Wie schwer ist die eingekaufte Wassermelone“, „Wer entdeckt als erster Land im Dunst“, „Ist das da vorne, das springende Etwas, ein kleiner Delphin oder ein Babyhai“, „Wind da – Segel hoch, Wind weg – Motor an, Wind da – Segel hoch, …“. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Events des Tages: Badestopp auf offenem Meer, Frühstück auf See, Imbiss auf See, Abendbrot auf See, ordentlich Wind am Nachmittag, Zielortwechsel wegen zu ungeschützt für die Nacht, Filicudi mit dem Ankerplatz Pecorini bietet sich an, glutrot versinkt die Sonne im Meer, Ankerplatzsuche im Dunkeln, Sternenhimmel satt.

So soll es ein

Sonntag, 18.Juli 2004

Der Handelshafen von Palermo, unser Ausgangspunkt macht nicht nur ob seiner bizarren Optik Eindruck – mächtige Kranen erheben sich vor einer malerischen Altstadtkulisse. Auch die Geräusche dieser gegensätzlichen Szenerie werden uns in Erinnerung bleiben. Fazit: Die Mädels haben eine deutlich schlechtere erste Nacht als die Jungens. Nach dem üblichen „So wird man am schnellsten vertraut mit seinem Schiff“ (wo ist, wo sollte sein, autsch, aua, Vorsicht) stechen wir um die Mittagszeit erstmalig in See. Bei gemütlichen 3 bft kreuzen wir entlang der Küste. Cocaine macht uns verständlich, dass sie nicht die Wendigste ist, Christiana meidet vorsichtshalber alle Aktivitäten unter Deck, Ulla als die Fürsorgliche „Etwas Obstsalat zu Deinem Bier, Horst?“, ab und zu muß man fragwürdigen Dingen ausweichen (Schiffsplanke, eingeschweißte Seekarte, allerlei Unrat). Beim Anlegenwollen im grundsätzlich recht idyllischen Cefalu lernen wir folgendes: Heck heißt „poppa“, 10 Minuten in Italien machen ½ Stunde, an Land kann nur, wer sportlich und kein Schisser, immer ein Auge auf den Landstrom-Anzeiger.

Sizilien, wir kommen!

Samstag, 17.Juli 2004

Es hat so sein Für und Wider, wenn die Törnmitglieder anlässlich einer Geburtstagseinladung bei gemeinsamen lieben Freunden schon am Vorabend der Reise zusammenkommen. Das Für ist klar, man kann sozusagen „reinfeiern“ in den Urlaub. Das Wider liegt auch auf der Hand: Die Nacht ist verdammt kurz und der Flieger wartet nicht !!! Aber irgendwie klappt schließlich doch alles. Auch wenn das Sicherheitspersonal am Köln Bonner Flughafen nicht glauben will, dass wir weder mit Ullas Miniaturausführung eines Schweizer Messers noch mit Astrids Navigationsbesteck den Piloten zum Entern des schiefen Turmes von Pisa zwingen wollen. Nach einer etwas verspäteten Landung auf dem Flughafen Palermo führen uns sizilianische Taxifahrer vor, wie man mit 7 Personen und 13 Taschen in einem Seat, drei weiteren Taschen auf dem Dach dieses Vehikels einem lebensmüden Vespafahrer ausweicht, nichts vom Gepäck und seiner guten Laune verliert und auch noch da ankommt, wo man eigentlich hin will. Michael und Werner übernehmen unsere „Cocaine“, die Mädels überfallen den nächsten Supermarkt und Horst ist überall gleichzeitig und hilft mit exzellenten Italienisch-Kenntnissen weiter. Sizilien, wir sind da !

Adrenalin

Freitag, 16.Juli 2004

Gleich geht’s lo-os … Warum müssen die letzten Stunden vor Urlaubsantritt eigentlich immer so stressig sein? Es ist doch eigentich alles fertig: Die Sekretärin wurde mit einem freundschaftlichen Klapps auf den Po verabschiedet, unbezahlte Rechnungen hat man ein Fach tiefer gelegt, das Gepäck ist nach dem 5. Ausdünnungsvorgang endlich auf 19,9 kg pro Nase zusammengeschrumpft, Blumen- und Briefkastendienst delegiert etc. Wahrscheinlich ist es nur die immense Vorfreude, die einem das Adrenalin in den Körper pumpt. Also dann bis zum nächsten Eintrag … vom Schiff aus!

Segeltörn 2004 – das Online Tagebuch ist wieder aktiv!

Donnerstag, 15.Juli 2004

Hallo liebe Segler,
ab sofort ist das Online-Tagebuch wieder geöffnet. Neuer Törn – neue Berichte!

Wir als daheim gebliebene sind schon gespannt auf die Erlebnisse, die uns die Crew 2004 hier berichten wird. Und wir erwarten wahrheitsgemäße Berichtserstattung ;-) )

Höllentrip zurück

Dienstag, 2.September 2003

Nachdem jetzt alle wieder zu Hause sind, kann ich ja mal meinen “Höllentrip” zurück nach Wiesbaden schildern.

Abfahrt am 30.08.2003 um 7:47 in Sukosan. (KM: 0). Um 12:02 Uhr habe ich hinter Rijeka getankt. (KM: 239). Um 12:40 Uhr wird die Grenze nach Slowenien überquert. Unfall auf der Landstraße – Komplettsperrung – Umleitung über Feldwege, auf denen sich nun Wohnwagen und Campmobile begegnen – man kann schon sehen, wer sein Gefährt kennt!
Um 14 Uhr bin ich endlich bei Postojna auf der Autobahn. Auf ihr geht es aber nur für eine viertel Stunde zügig vorwärts – 10 KM Stau an der Mautstelle. Um 15:30 Uhr endlich in Ljubljana. (bei 34 Grad Außentemperatur – bin ich glücklich über die Klimaanlage und die Automatikschaltung).

Dank eines weiteren Unfalles und diverser Staus an den Mautstellen bin ich um 17:42 Uhr am Karawankentunnel, erreiche um 18:20 Uhr Festritz. (KM: 459). Um 19 Uhr steht Blockabfertigung am Katschbergtunnel auf dem Programm – eine Stunde im strömenden Regen, Gewitter und 12 Grad Außentemperatur! Um 21:17 Uhr bin ich wieder in Deutschland und um 21:55 wird wieder getankt. (KM: 684 in 14 Stunden – ein Schnitt von 48,8 Km/h!)

Um 2:27 Uhr erreiche ich nach 1.176 Kilometern und 18,5 Stunden Fahrzeit sowie diversen “Wachhaltetechniken” müde Wiesbaden und falle nur noch ins Bett.

Fazit: Unterwegs dachte ich mir, das nächste mal fliegst Du lieber….aber mittlerweile……mal sehen…;-)))

Gruß
Andreas

Aha, so fühlt sich’s also an!

Freitag, 29.August 2003

Nachtrag zum Vorabend: Wir sind in der Bucht geblieben und haben einen romantisch launigen Abend verbracht mit stimmungsvoller Musik, Schwimmen unterm Sternenhimmel, Babic (der Esel war nun endgültig alle) und heißem Apfelsaft, allerlei Knabbereien etc. Eine letzte Erkenntnis aus dieser Nacht: Auch Andreas schnarcht! Und dann kommt er, der mit Spannung erwartete Jugo! Um 7:15 Uhr nimmt der Wind zu, erste Boen pfeifen in die Bucht. In Windeseile holen wir den Anker auf und motoren in die Marina Sukosan. Schon brechen sich die ersten kleinen Wellen im Zadarski Kanal – was gut, daß es nicht mehr weit ist. Die Tankstelle hat schon auf, volltanken. Das nachfolgende Anlegemanöver verdient den Zusatz “strapaziös”. Auf unseren Liegeplatz steht voll der Wind, inzwischen mit Boen der Stärke 5, und außer einem Minischiff hat noch keiner festgemacht am ellenlangen Kai. Keine Chance trotz unzähliger Leinen und Tricks, Penelope vor Mooring mit dem Heck zur Pier zum Liegen zu kriegen. Als dann noch eine vorwitzige Mooring mit der Schraube unseres Schiffes anbandelt, gehen wir zunächst mal längsseits. Der Sturm drückt uns auf die Mole und macht unsere Fender platt. Hendrik und Andreas befreien uns in einem spektakulären Tauchmanöver aus den Fängen der Mooring und dann wird erstmal gefrühstückt. Später gelingt es uns zusammen mit 4 Mann der Stützpunkt-Crew und dem Motor auf Höchsttouren, Penelope ordentlich zu “parken”. Der weitere Tag wäre gänzlich unter dem wenig erquickenden Motto “ausräumen, einpacken, wegschütten, saubermachen” abzuhaken, wenn da nicht der Sturm weiter zunähme (in der Spitze kachelt es mit 8,5 Windstärken, das Hafenbecken ist eine einzige Waschküche) und jeder Anleger nicht ein neues Highlight wäre. Von dilletantisch bis oberprofessionell, Mut beweisen alle, die hier anlegen! Am Abend fahren wir nach Zadar, lassen uns vom Flair der Altstadt beeindrucken und finden ein wahrhaft “authentisches” Lokal für unser letztes Ma(h)l. Fazit dieses Törns: Der geschätzte Leser dieses Tagebuches urteile bitte selbst! P.S.: Es lohnt sich unbedingt, diese Website weiter zu verfolgen. In den nächsten Wochen wird Andreas nach Durchsicht der 100.000 Fotos (und entsprechender Zensur) die Galerie bestücken. Laßt Euch überraschen!

Heißa, morgen wird’s was geben!

Donnerstag, 28.August 2003

Die Sachlage auf der Insel Katina in den Kornaten am frühen Morgen: Der Wind hat erwartungsgemäß um 180 Grad gedreht, unser Gipfelstürmer ist schon wieder aufgebrochen zu neuen Zielen, die italienischen Boote verlassen (fluchtartig?) die (trügerisch?) ruhige Szenerie. Unsere Mannschaft versucht sich an der Neuauflage des Filmklassikers “Der mit dem Esel tanzt”; Astrid erntet für das Opfern eines knackigen Apfels angelegte Ohren und gebleckte Zähne – undankbares Vieh! Dem Wetterbericht zufolge soll morgen windmäßig gehörig die Post abgehen (ein Jugo?), was uns zwingt, heute schon unseren Heimathafen anzulaufen. Zunächst gegenan, dann mit Wind von hinten auf Piz Buin-Kurs, das Blister zum Spinacker umfunktioniert, bei Überschreiten der 6 Knoten-Marke die traditionelle “Gummibärchen”-Belohnung, immer näher rückt … das Ende unseres Urlaubes. Auf der Höhe von Sukosan wird uns die schreckliche Wahrheit erst so richtig bewußt – und wir drehen nochmals ab! In der gegenüberliegenden Passage von Zdrelac baden wir, was das Zeug hält, als ob es das letzte Mal wäre. Michael schubst seinen besten Kumpel Horst in die Adria und Hendrik versucht sich im Kunstspringen. Die Küche mantscht heute alles zusammen, was an Vorräten noch da ist. Raus kommt dabei dank Viola aber wieder ein super Menue. Die Starkwind-Warnung für den frühen Morgen läßt Michael keine Ruhe – können wir eine letzte Nacht vor Anker genießen oder sollen wir rüber in die futuristisch scheußliche, dafür aber sichere, Marina?

Endlich wieder Wind!

Mittwoch, 27.August 2003

Nach einer ruhigen und angenehmen Nacht an Deck hebt Andreas in der Früh um 5:43 Uhr zum ersten Mal die müden Lider. Eigentlich die richtige Zeit, um den Sonnenaufgang fotografisch zu dokumentieren. Jedoch: Der Geist ist willig, das Fleisch so schwach! Erst die Urkroatin, die laut schmetternd in dem die Bucht säumenden Campingplatz Brötchen feil bietet, treibt Andreas aus dem Schlafsack, Michael ins kühle Nass, Claus zu seiner Rückengymnastik auf Deck usw. Der Campingplatz entpuppt sich als “S1, S2, S3 bis S8″-ergiebig, eigentlich nicht verwunderlich in dem FKK-aufgeschlossenen Kroatien. Nach einem ausgiebigen Frühstück, klar Schiff und weiteren Schwimmübungen stechen wir um 10 Uhr unter Segel in See – eine Show für die Camper und unseren österreichischen Ankernachbarn. Um die Mittagszeit treten wir in den Kornatski-Kanal ein, der eine ideale Düse für Wind aus nördlichen Richtungen bildet. Wild kreuzend (eine Wende nach der anderen zur Begeisterung der einsatzfreudigen Crew in Verbindung mit sensiblen Trimmmanövern, dem Hissen eines gelben Zusatz-Bikini-Blisters und viel Leinensalat, Michael am Ruder, Astrid navigiert) bei Windstärken von 3 – 6 Knoten erreichen wir kurz vor Sonnenuntergang die Bucht von Vela Proversa. An der hauseigenen Mole der Konoba “Mare” finden wir noch ein letztes Plätzchen zwischen dicken Motorbooten aus Italien, eigenwillig umgerüsteten Segelschiffen aus Österreich und “the owner of the boat” aus Deutschland. Andreas erklimmt den höchsten Gipfel von Katina für eine weitere Fotosession, Katrin und Hendrik versperren schwimmender Weise die schmale Durchfahrt zwischen dem Eiland und der Hauptinsel Kornat und Astrid läßt sich und ihre Seele in Fritzens Hängestuhl baumeln. Dem ungeschriebenen Gesetz folgend dinieren wir nach kollektivem “Aufbretzeln” im “Mare”. Lobster, Kalamari und Babic lassen keine Wünsche offen, der Pegel unserer Portemonnaies sinkt dafür auf Tiefststand. 50% der Crew veranstalten noch ein gutmütiges Wetttrinken, der Rest tankt Schlaf für die für morgen und übermorgen vom Wetterbericht vorhergesagten deutlich zunehmenden Windstärken.

Gewitterstürme und Delphine

Dienstag, 26.August 2003

Nach einer recht heftigen Nacht (Blitze, starkem Wind – Katrin und Hendrik treffen frühere Abi-Kollegen, die am gleichen Steg festmachen (was entsprechend feucht fröhlich gefeiert wird), wird Andreas, der bis heute jede Nacht an Deck geschlafen hat, von einem Gewittergrollen gegen 7:30 Uhr geweckt. Michael sitzt auch schon an Deck und langsam kommen auch die anderen aus ihren Kojen gekrabbelt. Die Wolken werden immer dunkler, das Donnern immer heftiger, bis es dann anfängt, ausgiebig zu regnen. Viola holt auf dem Weg zur Apotheke (ein Viech hat sie gestochen) frische Hörnchen und so nehmen wir unser Frühstück zum ersten mal unter Deck ein. Um 11.10 Uhr laufen wir unter Regen aus und alle sind mit der Stimmung irgendwie etwas mürbe. Die kurzen letzten Nächte fordern halt ihren Tribut. Um 12:45 haben wir die Flußmündung verlassen und unsere schlimmsten Befürchtungen – starker Wind und hohe Wellen – bewahrheiten sich nicht. So Motoren wir unter leichtem Nieselregen, im mehr oder weniger dickem Ölzeug, lustlos in Richtung “Koordinaten” ;-) Um viertel nach eins überkommen uns Hungergefühle – und wir verputzen den Rest von Michaels Tomatensoße mit Nudeln. Dabei stellen wir fest, dass der Rotwein all ist. Sofort tritt der Notfallplan B in Kraft – Kursänderung auf Tribunj – Wein bunkern. Wir legen an der Kaimauer an und Hendrik und Viola fahren mit Daisy in Richtung Stadt. Nach ein paar Minuten hören wir die drei schon wieder zurückkommen. Dann setzt Daisy aus – Hendrik hatte nicht mehr nach dem Sprit geschaut und auch keine Paddel eingepackt – so kamen beide zur Freude aller per Hand zurück. Kurz aufgetankt, ging es nun aber los und wir anderen vertrieben uns die Wartezeit mit Lesen, Essen von Gummibären und kurzen Gängen in das römische Bad der Marina. Hendrik und Viola kauften die letzten 3 Flaschen bei der Urkroatin und wir liefen um 14:50 Uhr wieder aus. Nach einem unglücklichen Tankversuch in Jezara/Murter (der Hafen war zu flach) entdecken wir um 16:15 eine Schule von 4 Delphinen, die ca. eine Viertel Stunde uns umkreisen (oder wir sie!!) Es sieht aus wie auf der Jagd nach dem weißen Hai: 4 Fotografen (Claus, Katrin, Michael (so eine scheiße – die Kamera ist zu langsam – output: 120 Fotos mit Wasser) und Andreas (wieso schwimmen die jetzt direkt vor dem Bug, ich habe doch das Tele drauf!) halten Ausschau nach der Rückenflosse. Hendrik hat seinen Spaß, uns Bekloppte zu beobachten. Anschließend geht es unter etwas Wind mit 2,3 – 4 Knoten in die Bucht Kosirina. Um 18 Uhr gehen wir vor Anker und Viola zaubert mit Hilfe fleißiger Schnippler ein Kartoffel-Gratin mit Hackfleisch und Käse überbacken. Nach gemütlichem Essen und schnellem Abwasch krabbeln alle so ab 22 Uhr in ihre Kojen und um 0:30 macht auch Andreas wieder seinen Schlafsack an Deck zu.

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